30.09.2016

Die Vielfalt der Farben

Sommerfest 2016 im Haus Christophorus

Rosa, rot, orange, gelb, türkis, blau und violett – und wer im Gottesdienst in der Kirche St. Katharina in Wallerfangen genau hinguckte, konnte noch viel mehr Farben entdecken – denn: „ Die Erde ist bunt“ und das gilt natürlich auch in Wallerfangen.
Mit diesem Motto starteten wir mit unseren Gästen in den Tag. Gemeinsam, miteinander, jedem eingeladenen Menschen, das Gefühl zu geben, dazu zu gehören und einen schönen Tag zu erleben - das war unsere Idee für diesen Samstag im Juni. Und als wir dann morgens den Schlechtwetter-Plan für den Sommerfest-Tag mutig in den Papierkorb entsorgt hatten, waren wir uns ziemlich sicher: Es wird ein wunderbarer Tag für viele Menschen werden.
Zahlreiche Aktionsstände, Spiel- und Spaßangebote luden nicht nur zum Zugucken, sondern auch zum Mitmachen und zum Ausprobieren der Talente ein: So konnte man nun das Glück der Erde auf dem Rücken unserer Therapiepferde suchen oder beim Torwandschießen jeden Ball im Netz zappeln sehen. Natürlich konnten unsere Gäste, ob jung oder alt, klein oder groß, auch ihre Treffsicherheit beim Dosenwerfen testen. Und als die Zumba-Gruppe ihren Auftritt hatte, folgten dann etliche Tanzfreudige der Einladung zum Mitmach-Zumba.
Kulinarisch konnte man an einer Cocktailbar erfrischende alkoholfreie Getränke genießen oder sich mit Kaffee und Kuchen einen leckeren Nachtisch gönnen und für die nächsten Aktivitäten stärken: Kreative bastelten sich ihren Knautschi; dekorative Buttons hübschten dann so manches Kleidungsstück auf. Und so manches Kindergesicht verwandelte sich dank der Schminkkunst der Erwachsenen in ein bezauberndes kleines Kunstwerk. Und wer seine Kreativität für ein dauerhaftes Gesamtkunstwerk einbringen wollte, hatte dafür eine ganz lange Hauswand zur Verfügung.
 Ganz anders kunstvoll 1 : nachdem seit dem letzten Jahr über 150 Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMFe) aus Afghanistan, Eritrea, Iran, Syrien, Palästina oder dem Irak im Haus Christophorus einen sicheren Zufluchtsort und Unterstützung erhalten haben, ist das Haus Christophorus auch „bunter“ geworden. Eine kleine Fotoausstellung dokumentierte den sicherlich noch ungewohnten deutschen Alltag für die Jugendlichen. Die künstlerischen Fähigkeiten der Jugendlichen konnte man an Hand von gemalten oder gezeichneten Bildern bewundern – und die jungen Künstler freuten sich, dass einige ihrer Kunstwerke von den Besuchern unseres Festes sogar gekauft wurden.
 Ganz anders kunstvoll 2: Die Geschichte vom Rotkäppchen kennt man selbst noch in Zeiten des Internets. Aber wer hat denn schon mal das Puppentheaterstück vom Rotkäppchen in einer deutsch-afghanischen Aufführung erlebt? Jede Menge Applaus gab es in den „ausverkauften“ Vorstellungen für 4 mutige afghanische Jugendliche, die dem Rotkäppchen, dem Wolf, der Oma und dem Jäger ihre „ saarländisch-deutsche“ Stimmen gaben.
 Ganz anders kunstvoll 3: Sicherlich das Highlight des Sommerfestes und auch krönender Abschluss eines tollen Fests war nach Meinung vieler Besucher das Musical „Fremde werden Freunde“. So viele Menschen zog es in unsere Gymnastikhalle, dass nicht mehr alle Zuschauer und Zuhörer einen Sitzplatz bekamen, ja sogar einige nur durch die geöffnete Eingangstüre erleben konnten, was über 30 Kinder und Jugendliche, Praktikanten und Mitarbeiterinnen da auf die Bühne brachten. Ein fast 90 minütiges Programm aus: Liedern im Chor, im Duett oder als Solo vorgetragen, vielen Spielszenen und internationalen Tanzeinlagen. Sei es nun ein kolumbianischer Tanz oder eine tolle Breakdance-Vorführung. Sicherlich ein einmaliges kulturelles Aha-Erlebnis für unsere Gäste war die Ur-Aufführung eines syrischen Tanzes: 15 junge syrische Jugendliche zeigten mit viel Temperament und Rhythmus einen traditionellen Rundtanz aus ihrer Heimat. Mit „We are the World“ von Michael Jackson wurden dann alle nochmals eingeladen, sich als Kinder dieser einen Erde zu verstehen, egal, ob man spanisch, rumänisch, kurdisch, arabisch, tigrinisch, luxemburgisch, französisch, russisch, deutsch oder … spricht.
Einen ganzen halben Tag lang haben Kinder und Jugendliche und die MitarbeiterInnen des HC aus aller Herren Länder (Flaggeneinfügen) dafür gesorgt, dass es ein Tag wurde, an dem wir uns gerne erinnern werden. Die Gäste, die unserer Einladung zum Sommerfest gefolgt sind, konnten hautnah miterleben, wie wir im Haus Christophorus mit der Globalisierung der Jugendhilfe umgehen: Nämlich so wie wir es mit dem „Lied vom Anderssein“ von Klaus W. Hoffmann schon morgens in der Wallerfanger Kirche gesungen haben …
Im Land der Buntgemischten sind alle buntgemischt.
Und wenn ein Gelbgetupfter das bunte Land auffrischt,
dann rufen Buntgemischte: Willkommen hier im Land.
Hier kannst du mit uns leben, wir reichen dir die Hand!“

Und dass wir das ernst meinen und auch so leben im HC, war an diesem Tag nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören…. und als dann Feierabend war, zauberten die Sonne und zahlreiche Regentropfen einen wunderschönen Doppel-Regenbogen an den Himmel über Wallerfangen. Und dann war nicht nur die Erde, sondern auch noch der Himmel bunt.

PS: und wer Lust hat, kann mit Hilfe der Flaggen herausfinden, welche Nationalitäten man so im Haus Christophorus antreffen kann.


Text und Fotos:
Wolfgang Jacob